Go back

Dezenter Luxus trifft intimen Charme

Office@Home

04.05.2018

„Unterscheide den Arbeitsplatz immer vom Wohnraum!“

Isabelle Juy-Lott über die Balance von Arbeit, Leben und Freundschaft im selben Raum.

Für Isabelle Juy-Lott und ihren Mann und Businesspartner Matthieu Lott ist ihr Zuhause ein kreativer Raum. Sie nutzen ihn sowohl für ihre professionellen Tätigkeiten, als auch mit ihrer Familie. Die beiden gelernten Architekten führen gemeinsam zwei Unternehmen: L’Atelier d’Archi, Isabells Agentur für Architektur und Interiordesign. Und Plugin Studio, von Matthieu gegründet und auf die baulichen Aspekte der Planung spezialisiert.

Es überrascht also nicht, dass auch ihr Pariser Zuhause ihren hohen Ansprüchen entsprechend angemessen gestaltet ist. Hier lassen sie mit besonderem Raumgespür persönliche Objekte und Mid-Century-Stücke, Lieblingsbücher und Pflanzen harmonisch aufeinander treffen. Es ist nicht einfach, in Paris große Räumlichkeiten zu erstehen – noch dazu in zentraler Lage. Bei dem kreativen Paar zieht sich der Wohnraum im 9. Arrondissement dennoch über drei, zukünftig sogar vier Etagen. Isabelle hat bereits Luxus- und Boutiquehotels, private Landsitze und öffentliche Räume gestaltet – unter anderem für Lacoste, Café Marly und Baccarat. Für sie war es eine logische Konsequenz, sich als Erweiterung ihrer allumfassenden Designphilosophie auch ihr eigenes Reich zu gestalten. Denn „ein Apartment soll nach dem Bewohner aussehen, nicht nach dem Architekten!“ Oder, wie in diesem Fall, eine gelungene Kombination aus beiden sein – zum Wohnen, Arbeiten und allem, was dazwischen liegt.

Isabelle, erzähl uns zuerst ein bisschen über L’Atelier d’Archi.

L’Atelier d’Archi ist eine Agentur, die auf Dekoration spezialisiert ist. Wir designen und planen den intimen Rahmen des Alltags. Mit unseren Projektmanagern arbeiten wir Vorstellungen vom Zusammenspiel von Raum, Licht und Farben, von Materialien, Möbel, Ausstattung und Design aus. Alles genau auf die Individualität der Kunden zugeschnitten. So schaffen wir Orte für sie, die nicht nur funktional sind, sondern auch ihre jeweilige Persönlichkeit widerspiegeln.

Wie würdest du deine Designphilosophie beschreiben?

Unser Stil lässt sich wohl am besten als nüchtern und zeitlos beschreiben. Wir bewegen uns in Welten von dezentem Luxus und intimem Charme. Häufig sind die Orte, die dabei entstehen, etwas maskulin. Aber letztendlich hängt alles vom Bewohner selbst ab. Eines ist jedenfalls klar: Wir wollen nichts imitieren. Wir wollen keine modischen Architekten sein, sondern zeitlos arbeiten – denn Mode kommt aus der Mode. Unser Stil lässt sich am besten mit dem Motto „Sei einfach du selbst!“ beschreiben. Ein Apartment soll nach dem Bewohner aussehen, nicht nach dem Architekten, dabei chic, aber zurückhaltend bleiben. An unseren Projekten ist nichts pompös und wir legen großen Wert auf die Materialien. Unsere Favoriten sind dabei gealtertes Parkett, große Dielenbretter, roher Beton, Metall und Stahl für dekorative Elemente. Tapeten erlauben oft etwas mehr Spielraum, bewegen sich aber immer in harmonischen Farbvariationen von Grau, Schwarz und Grün.

Wie bist du zum Design gekommen?

Ich wollte eigentlich an die La Fémis, die Filmschule in Paris, um Filmsets zu entwerfen. Voraussetzung dafür waren aber zwei Jahre Grundstudium, weshalb ich mich zunächst für die Architekturhochschule entschied. Ich habe eine große Leidenschaft für dieses Studium entwickelt und meinen Mann dort getroffen, also bin ich sechs Jahre geblieben. Schlussendlich bin ich nie an die La Fémis gegangen.

Was magst du an deiner Arbeit am meisten?

Ich liebe es, düstere und maskuline Atmosphären zu schaffen. Aber was ich an meinem Job am meisten mag, ist Innenarchitektur zu machen, die meine Kunden zufrieden stellt, die zu ihnen passt und dafür sorgt, dass sie sich zuhause wohl fühlen. Ich sag immer: „Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir wer du bist.“

Gibt es technische Fortschritte, die deine Arbeit täglich erleichtern?

Natürlich! Ich arbeite überall. Ich profitiere sehr von iPad und Laptop, die sich ortsunabhängig synchronisieren. Das macht es mir sehr leicht von unterwegs zu arbeiten, auch in den Ferien, was unsere Kinder nicht unbedingt glücklich macht. Außerdem gibt es neue Medien, wie zum Beispiel Instagram, die es ermöglichen, schnell etwas zu recherchieren.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag für dich aus?

Meine Arbeitstage beginnen und enden mit meinen Kindern. May ist 20 Monate, Arsène neun Jahre alt. Ich bringe sie zur Kita und zur Schule, danach fange ich an, an meinen Projekten zu arbeiten. Ich habe eigentlich immer Termine mit Material- oder Stofflieferanten, aber auch mit Kunden oder auf der Baustelle. Ich bin also viel unterwegs.

Wann arbeitest du von zuhause aus und warum?

Witzig, dass du das fragst. Meine Agentur ist 100 Meter vom Haus entfernt und ich habe meine Kunden oft dorthin mitgebracht. Ich zeige ihnen unser Apartment, weil es schon sehr beeindruckend ist, in Paris drei ganze Etagen zu bewohnen. Da haben wir uns gefragt, warum nicht gleich auch zu Hause arbeiten? Also haben wir das Stockwerk darunter zu diesem Zweck noch dazu gekauft. Das Esszimmer können wir außerdem für Meetings nutzen.

Beeinflusst deine Arbeit die Ästhetik deines eigenen Zuhauses? Wenn ja, kannst du uns ein paar Beispiele nennen?

Ja. Ich bin ein Fan von Schwarz und Grün. Schwarztöne in allen Varianten: Blauschwarz, warme und kalte Schattierungen von Schwarz. Und Grün, um in der urbanen Umgebung an die Natur zu erinnern. Ich mag Nüchternheit und es gibt auch Materialien, die immer wieder auftauchen: Altes Parkett, das gebrannt und gebürstet wurde. Metall, das eines meiner Lieblingsmaterialien ist. Unbehandelter Beton und gefärbtes Valchromat, ein Holzprodukt.

Mehr lesen

Welche Voraussetzungen unterstützen dich dabei, von zuhause aus zu arbeiten und stimulieren gleichzeitig deine Kreativität?

Natürlich hilft mir eine Umgebung, die mir entspricht: Warm, aber schick, mit einer zeitlosen Atmosphäre. Mein grüner Tisch oder meine beiden Balkone, die voller Pflanzen sind, und es mir ermöglichen, kurz zu flüchten. Nicht zu vergessen dieser total verrückte Ausblick auf diesen Kirchturm, der das Apartment nach außen hin öffnet.

Hast du ein Haustier? Steht es deiner Arbeit im Weg oder verbessert es sie eher?

Meine Katze heißt Milk, weil sie schwarz-weiß ist. Eine großartige Katze, die es liebt, für Fotos zu posieren. Sie ist überall und folgt mir ständig. Perfekt, um mich bei Laune zu halten und mich gleichzeitig zu entspannen.

Beschreibe deinen Lieblingsort, um zuhause zu arbeiten.

Dafür liebe ich den Esstisch, weil er wirklich groß ist und ich darauf meine Muster zeigen und meine Pläne zeichnen kann. Außerdem habe ich hier einen guten Ausblick auf die Pflanzen. Aber wenn ich Licht brauche, gehe ich nach oben und habe Sonnenschein. Sehr unterschiedliche Atmosphären, beide auf ihre Weise inspirierend.

Wie hilft dir die Umgebung dabei, gute Ideen zu entwickeln und deine Kreativität zu fördern?

Die beruhigende Atmosphäre ist eine Quelle der Inspiration. Ich mag keine Räume, die ganz weiß und unbelebt sind. Ich schätze die sanften und entspannten Stimmungen hier. Es kann lichtdurchflutet sein, aber immer in stimmigen Farben. Ich mag es, wenn ein Raum Geschichten erzählt, keine Nachahmungen. Meine Wohnung muss immer aufgeräumt sein, damit auch Ordnung in meinem Kopf und in meinen Ideen herrscht. Mein Mann und meine Kinder sind etwas verrückt. Ich putze ständig überall!

Gibt es einen Gegenstand, den du in deinem Büro zuhause besonders liebst?

Es gibt zwei Objekte, von denen ich mich niemals trennen werde: Meine grüne Flasche von Alvar Aalto. Eine limitierte Auflage aus den 1960ern, die ich dank einer guten Freundin auf einer Auktion in Finnland gefunden habe. Aber auch meinen Pierre Paulin Stuhl, der ist so bequem.

Wie wichtig ist es für dich, Zugang zur Küche zu haben, während du arbeitest?

Die Küche ist ein wichtiger, geselliger Ort, wo wir uns treffen, um bei einem Kaffee die Arbeit zu besprechen. Ich liebe die Küche. Hier mache ich mir am Morgen Kaffee, gefolgt von Tee und am Nachmittag einen Saft voller Vitamine. Zusammen mit dem Esszimmer, wo wir auch Meetings abhalten, und mit dem Balkon entsteht dieser offene Raum – es ist so schön, sich hier aufzuhalten.

Kannst du eine Regel nennen, an die du dich beim Arbeiten zuhause hältst?

Unterscheide den Arbeitsplatz immer vom Wohnraum, auch wenn es der selbe Raum ist. Bleibe nie im lässigen Pyjama-Outfit, wenn du zuhause arbeitet. Ich glaube, man braucht eine gewisse Disziplin dazu. Man muss außerdem wissen, wann es genug ist und man zur nächsten Tagesordnung übergehen soll. Meine Kinder erinnern uns immer, wenn es Zeit ist, aufzuhören.

Wie schaffst du es, zwischen Arbeit und privatem Leben die Balance zu halten?

Mittlerweile schaffen wir das sehr gut. Ich lebe an einem Ort, den ich zusammen mit meinem Mann Matthieu gestaltet habe. Einem Ort, den wir sehr mögen, der es uns auch erlaubt, dort zu arbeiten. Dass sich das Apartment über vier Etagen zieht, mit einer ganzen Etage speziell für die Agentur, macht die Sache einfacher. Wenn die Kinder reinkommen, nehmen wir uns Zeit für sie. Da wir viel arbeiten, versuchen wir 99% der Zeit, die wir sie sehen, wirklich bei ihnen zu sein, nicht nur die halbe Zeit. Wie schon gesagt – zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist. Unser Apartment sieht nach uns aus.

Danke Isabelle, dass du uns gezeigt hast, wie du die Balance zwischen Arbeit, Leben und Freundschaft im selben Raum hältst.
Isabelle Juy-Lott ist zusammen mit ihrem Mann, dem Architekten Matthieu Lott Mitbegründerin von zwei Agenturen. L’Atelier d’Archi ist auf Dekoration spezialisiert, während Plugin Studio sich um die architektonische Arbeit fokussiert. Für weitere Informationen, besuchen Sie ihre Website.

Office@Home – Eine Interviewreihe zum Phänomen Work-Life-Balance

Unser Verständnis von Raum verändert sich mit immer fortschrittlicherer Technologie rasant – die beschleunigte Kommunikation, die das Internet ermöglicht, kann unsere Schlafzimmer in Sitzungsräume verwandeln. In dieser gemeinsamen Interviewserie sprechen Siemens Home und Freunde von Freunden mit Menschen in den creative industries, die ihre Küche auch als Atelier nutzen, um herauszufinden, wie sie beim Leben und Arbeiten im selben Raum die Balance halten. Noch mehr Inspirationen für ein vernetztes, innovatives Zuhause finden Sie auf Siemens Home Connect – Ihr Alltag wird Augen machen!

Fotos: Emmanuel Fradin

Mehr lesen

Kommentare

Kommentar schreiben
* Pflichtfelder

0 Kommentare

Scroll to top